Expedition Freitauchen - Eistauchen in den schweizer Bergen

Eindrücke und Worte über unsere kleine Eis-Expedition

Ab Zürich machten wir uns als Kaluna Freediving "Expeditionsteam" früh am Morgen auf den Weg in Richtung Graubünden. Noch vor dem Mittag erreichten wir unser Ziel, den traumhaft schönen "Silsersee" im Oberengadin, Schweiz auf rund 1800 Metern über dem Meer.

Auf den ersten Blick schien die Umgebung für unsere Mission perfekt zu sein. Vor Ort gibt es einen Parkplatz mit direktem Seezugang, unsere Unterkunft ist nur 5 Minuten entfernt, das Tauchen ist erlaubt und auch das Eis scheint dick genug zu sein, um darauf zu gehen und darunter zu tauchen, da wir bereits kurz nach der Ankunft die ersten Flaschentaucher gesichtet hatten. Das Wetter war ebenfalls perfekt. Blauer Himmel mit strahlendem Sonnenschein und einem 360° Bergpanorama. 

Material Check

So weit so gut. Und was jetzt? Als erstes haben wir die Ausrüstung aus den beiden Autos zusammengetragen und überprüft, ob alles da ist. Der überwiegende Teil an Ausrüstung dient zum Erschliessen der Eisdecke und zur Sicherung für die Arbeiten ausserhalb und innerhalb des Wassers. Die wichtigsten Gegenstände: 

Eistauchen Freediving Freitauchen Ausrüstung
  • Kettensäge 
  • Schlitten 
  • Eispickel und Eisschraube
  • Kanister für warmes Wasser
  • Schneeschaufel
  • Sicherheitsseile
  • Isolierflaschen
  • Film- und Kameraausrüstung
  • Persönliche Ausrüstung: dicker Neoprenanzug (mindestens 5mm), Socken, Handschuhe, Handtücher, etc. 

Hervorragende Arbeit Jungs, wir haben nichts vergessen!

Der geeignete Tauchplatz auf dem Eis

Die Ausrüstung ist komplett. Als nächstes mussten wir einen geeigneten Ort für das Loch im Eis finden. Das Wasser sollte dafür zwischen 10 und 20 Metern Tiefe haben. Weil keiner von uns viele Erfahrungen mit Freitauchen unter dem Eis hat, möchten wir die Zeit im Wasser hauptsächlich sicher und entspannt verbringen und schöne Momentaufnahmen unter dem Eis mit der Kamera festhalten. Weiter sollte der Standort nicht zu sehr dem Wind ausgesetzt sein und so viele Sonnenstunden wie möglich zulassen, da wir am Sonntag 2 Sessions im Wasser eingeplant hatten. Eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Aus Sicherheitsgründen möchten wir eine relativ große Entfernung zwischen dem Loch und dem vorbeiführenden Wander- und Langlaufweg einkalkulieren. Damit sich keine Hobbysportler oder Fussgänger abseits vom Weg in Richtung Loch im Eis verirren. Auf der anderen Seite sollte die Distanz zu unserem geparkten Auto so klein wie möglich sein, sodass wir im Falle eines Notfalls schnell mobil und Handlungsfähig wären. Weiter haben wir noch berücksichtigt, wie der Ort auf Bildern und Videos, als auch aus der Perspektive Himmel, ausschaut. Die Theorie ist klar. Wir sind uns alle einig, über die ideale Position für das Loch im Eis. 

Die nächste Herausforderung bestand darin, einen Weg auf die Eisfläche zu finden. Zunächst folgten wir dem Wander- und Langlaufweg, der direkt neben dem Parkplatz beginnt. Unser Kamera- und Videomann Len Roth ist ein paar Schritte neben dem Weg gegangen, um die Schneedecke über der Eisfläche zu testen und zu evaluieren welche Richtung wir am besten einschlagen. Erschrocken und mit nassen Füssen kam er wieder zurück auf den Weg. Er ist in die dicke Schneedecke eingesunken und stiess etwa 20 cm darunter auf Eiswasser. Offensichtlich konnten wir nicht einfach mit unseren "normalen Wanderschuhen" den Weg verlassen, auf dem Eisfeld herumlaufen und die Arbeiten zum Erschliessen des Loches beginnen. Was nun? Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu gehen und nachzusehen, wo die Flaschentaucher in den See einsteigen. Nicht weit von unserem geparkten Auto gibt es eine Edelstahltreppe, die hinunter zum See führt. In unmittelbarer Nähe zur Treppe versammelten sich einige Taucher in Trockenanzügen. Sie standen zum Teil bis zu den Oberschenkeln im Eiswasser. Im Umkreis von ca. 5 Metern um die Einstiegsstelle herum war das Eiswasser sehr tief. Die geschlossene Schneedecke war dort nicht mehr zu erkennen. Das Wasser war deswegen so matschig, weil verhältnismässig viele Taucher, diese eine Stelle nutzten um auf die Eisfläche zu gelangen. Im Trockenanzug ist das kein Problem. Wir standen am Anfang der Treppe, beobachteten das Szenario und überlegten was wir am besten tun sollten. Die Taucher schauten uns mit einem Ausdruck von freundlichem Mitleid an. Wir,  5 Leute und ein beladener Schlitten. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Nach kurzem hin und her überlegen, ob oder ob nicht wir in unsere offenzelligen Neoprenanzüge wechseln, uns durch das Eiswasser kämpfen sollten mit der Ausrüstung im Schlepptau, haben wir uns einstimmig dagegen entschieden. Wir mussten eine andere Stelle finden, eine, die für unsere Zwecke zum Freitauchen besser geeignet ist. Eine, mit weniger Leuten. Gleich nach den geparkten Fahrzeugen, gab es eine riesige Schneewand die bis hin zur Eisfläche hinab fiehl. Wir arbeiteten unseren Weg durch die Wand und formten grobe Treppenstufen darin, welche uns den Einstieg zum See für die kommenden zwei Tage mühelos werden lies. 

Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

Wie sich herausstellte, war die Schneedecke an dieser Stelle sehr stabiler. Zum Glück  befand sich an dieser Stelle nur sehr wenig Wasser darunter. Voller Vorfreude und Begeisterung machte sich Kaluna Instructor Valdy als erster auf den Weg hinaus auf den See. In weiser Voraussicht hatte er sich bereits umgezogen. Er trug seinen offenzelligen 5mm Neoprenanzug unter seiner Jacke. Ungefähr 100 Meter vom Ufer entfernt haben Valdy und Daniel begonnen, die Eisfläche vom vielen Schnee zu befreien. Die Arbeit beginnt! Vom Ufer aus beobachtend, sah das alles sehr vielversprechend aus. Kurze Zeit später kam Valdy mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurück, um die Kettensäge zu holen. Brummmmmbrummmbrumbrum und weg war er wieder. Len lies die Drohne über den See schweben und verfolgte die Arbeiten aus der Luft. Nachdem Valdy ein erstes Loch in das Eis geschnitten hatte, entdeckten wir eine weitere Schicht Eiswasser darunter. 

Das Eis ist unglaublich massiv

Danach haben wir die 30 cm dicke Eisschicht endlich erreicht. Wir standen in dem Loch und schaufelten ununterbrochen Eisstücke heraus. Das Wasser reichte uns fast bis zur Hüfte. Die Wassertemperatur betrug 0-1 und die Außentemperatur -8 Grad. Die nächste Herausforderung: Aufsägen der letzten Eisschicht, stand an. Valdy holte wieder die Kettensäge hervor. Die Säge schaltete sich auf Grund der niedrigen Außentemperatur immer wieder ab. Schnell war auch klar, dass das verhältnismässig kleine Sägeblatt keine Chance hat gegen die dicke und unfassbar dichte Eisdecke anzukommen. Nach einigen verzweifelten Versuchen gaben wir auf. Das war's. Ganz nass vom Spritzwasser und verschwitzt von der anstrengenden Arbeit im Eisfeld standen wir da. Überall Eismatsch und lange kein eisfreies Wasser in Sicht. Das Wasser unter uns schien Welten weit entfernt zu sein. Wir dachten daran abzubrechen, oder einen anderen Bergsee weiter unten im Tal anzusteuern. Die allgemeine Stimmung war bedrückt bis traurig. Schliesslich hat Valdy die Initiative ergriffen und ging los über die Eisfläche zu den Flaschentauchern am Seerand. Stefan, ein sehr netter Typ von der Tauchschule Waterworld, kam sofort rüber, uns zu Hilfe. 

Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

Mit seinem Trockenanzug ging er wie ein Panzer durch die geschlossene und heimtückische Schneedecke. Kurz nachdem er das Sägen anfing, war selbst ihm die Anstrengung auf dem Gesicht abzulesen. Trotz grossem Sägeblatt und perfektem Outfit. Das Eis ist unglaublich Massiv, haben wir alle staunend festgestellt. Nach ca. 25 angestrengten Minuten war die Arbeit getan! Anschliessend haben wir das Loch aus Sicherheitsgründen von groben und kleineren Eisstücken befreit. In erster Linie, damit es keine herum schwimmenden Eisschollen gibt an denen wir uns später den Kopf beim Auf- oder Abtauchen stossen könnten. Im schlimmsten Fall wollten wir auch die Möglichkeit ausschliessen, dass eine oder mehrere Eisschollen das Loch wieder abdichten. 

Freediving Freitauchen Eistauchen Kaluna Freediving

Das Loch ist frei von Eis!

Anna Karina Freediving Kaluna icediving

Aufgewärmt von den Arbeiten im Eis und voller Vorfreude, lehnte ich mich über das Wasser und steckte mein Gesicht hinein. Wow, wie schön. Ich blickte hinunter in das klare blaue und grünliche Wasser bis alle Farben in die Dunkelheit verschwinden. Das Wasser sieht perfekt aus. Magisch. Es rief nach uns. Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden draussen in der Kälte waren, gingen wir ganz vorsichtig aber bestimmt, einer nach dem anderen hinein. In das geheimnisvolle Eiswasser. Wir tasteten uns mit viel Respekt an die Kälte heran und liessen uns Zeit um so gut wie möglich zu entspannen. Durchzuatmen. Schritt für Schritt dort anzukommen. Als erstes haben wir nur das Gesicht für 10-20 Sekunden in das Eiswasser eingetaucht um uns vor dem Abtauchen unter das Eis an die Kälte zu gewöhnen und einem plötzlichen Atemreflex zu verhindern. Spielerisch näherten wir uns der Eisdecke Unterwasser. Das Lichtspektakel unter Wasser, an der Stelle wo die Sonne die offene Wasseroberfläche trifft und das Licht sich in grosse Sonnenstrahlen bricht ist sehr schön anzusehen. Ganz besonders unter dem Eis. Auch wenn es immer nur wenige Sekunden sind. Wie Scheinwerfer die in die Dunkelheit verschwinden. Diese schönen Momente Unterwasser waren alle Mühe wert! Wie meine Omi sagen würde: "von nichts kommt nichts". 

Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

Sicherheit unter dem Eis

Vor dem Abtauchen unter die Eisschicht sicherten wir uns gegenseitig mit einem Sicherungsseil, welches an einem Gürtel, dem octopus belt, befestigt war. Der Sicherungstaucher blieb ausserhalb vom Wasser, aber über das Seil ständig mit dem Taucher verbunden. Das Seil soll permanent unter einer leichten Spannung stehen, die es dem Taucher erlaubt sich relativ frei im Wasser zu bewegen und dem Sicherheitstaucher auf der anderen Seite erlaubt mit dem Taucher in Kontakt zu bleiben. Ein Zug an der Leine steht für "ich bin ok", 2 Züge stehen für "bring mich zurück". 

Morning has broken like the first moooooorning

Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

Der Tag begann mit - 23 Grad Aussentemperatur. Eine neue Eisschicht von 5-7 cm mussten erstmal entfernt werden. Kein Problem! 

Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

In Vorbereitung auf die erste Session am Morgen im wunderschönen und glasklarem kalten Wasser war jeder mit etwas anderem beschäftigt:

  • Vorbereitung des Kamera- und Film-Setups,
  • Aufwärmen mit Yoga,
  • Nachfüllen von Handschuhen oder Socken mit warmen Wasser,
  • Freimachen des Lochs und,
  • Klarmachen der Seile für die Sicherung unter Wasser. 
Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

Das Beste zum Schluss!

Valdy, unser Kaluna Instruktor und Superheld, zeigte dem Team, wie es gemacht wird! 

Valdy Freediving icediving Switzerland

The end

Am Sonntag Nachmittag, nach unserer letzten Session im Wasser, haben wir das Loch zum Schutze von Passanten ausreichend abgesichert. Diese Arbeit zum Schluss ist genauso wichtig, wie das sichere Sägen, das sichere Freimachen des Lochs und das sichere Freitauchen unter dem Eis. 

Kaluna Freediving Eistauchen zum Freitauchen in der Schweiz

Wir verliessen diese atemberaubende Location mit vielen Learnings, Erfahrungen, tollem Foto- und Videomaterial, wunderbaren Erinnerungen im Gedächtnis, glücklich erschöpft und definitiv stärker als zuvor. 

We don't grow when things are easy we grow when we face challenges.

 


Ich bin stolz auf euch, stolz auf uns! Wir sind Kaluna 💙!

***
Hinterlasse uns dazu einen Kommentar unter diesem Blog. Wir sind auf deine Rückmeldung gespannt! Die Person mit dem ersten Kommentar bekommt ein Lerntool für den Druckausgleich der Firma Octopus nach Hause geschickt :). 
🌊
Bis ganz bald im Wasser! 

Anna-Karina Kaluna Instructor

"Die Liebe zur Unterwasserwelt begleitet mich solange ich denken kann. Ich konnte noch nicht schwimmen, da bin ich schon getaucht."   

 greenandbluemermaid

 

 

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3 Kommentare

  • Den Blog Bericht lesen erzeugt schon Gänsehaut, aber dann das Video dazu auf You Tube macht die Illusion als Leser/Zuschauer spürbar.

    Ralf-Achim
  • Das war ein spannender und lehrreicher Blick behind the scenes!
    Danke für das authentische Lesevergnügen. Macht Lust darauf, mit euch unterwegs zu sein ;-)
    Freue mich, euch bald wieder über und unter Wasser zu begegnen.

    Keep on (ice) rocking!

    Manou
  • 😳, da hattet ihr ganz schön zu tun. Zum Glück hat es dich geklappt. Ist auch noch ein Traum von mir diese Sichten unter Eis zu genießen!

    Weiterhin viel Erfolg

    Rossi

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